Frauke Bielefeldt zum neuen gemeinsamen Buch der vier geistlichen Erneuerungsbewegungen, das viele Antworten auf konkrete Fragen zum Geist Gottes gibt. Dort werden auch „heiße Eisen“ angepackt.

Theologie beschreibt oft das Wesen des Geistes, seinen Anteil an der Dreieinigkeit und sein Werk in der Wiedergeburt des Christen. Vielleicht thematisiert sie noch, dass Heiligung nicht aus eigener Kraft geschehen soll, sondern aus der Kraft des Geistes. Aber wie sieht das konkret aus? Und was ist eigentlich „geistliches Leben“? Zum anderen gibt es ein wachsendes Interesse an dem, was früher als typisch charismatisch galt: Lobpreis ist Teil einer breiten christlichen Kultur geworden und Hörendes Gebet stößt auf immer größere Nachfrage. Zudem haben sich die Fragen verschoben: Eine kleine Umfrage unter Menschen U40, die wir zur Vorbereitung auf das neue Buch „Die Kraft des Heiligen Geistes“ durchführten, bestätigte unsere Beobachtung, dass viele junge Menschen heute keine generelle Abwehr gegenüber dem Übernatürlichen haben, wie es eine rationalistisch geprägte Kultur lange noch vorgab. Stattdessen herrscht eine starke Fokussierung auf sich selbst mit der quälenden Frage, wie sich Impulse des Geistes von eigenen Gedanken unterscheiden lassen.
Der Heilige Geist weckt Interesse am Glauben
In postmodernen Zeiten scheint die Herausforderung besonders darin zu liegen, bewusst zu machen, dass Leben mit dem Heiligen Geist nicht einfach eine neue Erlebnisqualität bringt, sondern eigentlich nur gemeinschaftlich funktioniert: Der Geist schenkt Gaben, damit die einzelnen Glieder am Leib einander dienen können und das Ganze wachsen kann. Paulus beschreibt eine ganze Menge Pergament, um den Korinthern nahezubringen, wie sie vom chaotischen Durcheinander zum konstruktiven „(durch) Einander“ kommen. Und noch mehr: Der „Erweis des Geistes und der Kraft“ (1 Kor 2,4) ist eins der Gütesiegel, das echtes Interesse für den Glauben an Jesus weckt. Wenn Gott sich durch seinen Geist bemerkbar macht, dann nicht einfach, damit ich Christsein noch cooler finde.
Wir brauchen Klärung: Welcher Gott ist gemeint und welcher Geist?
Insgesamt beobachten wir, dass charismatische Anliegen heute weniger mit Abwehr konfrontiert sind als mit einer Tendenz zur Vermischung. Waren sie lange eher ein „Add-on“ zu klassischen Glaubensgrundlagen, werden sie heute auch als Teil einer Spiritualität gelebt, die sich theologisch eher in liberaleren Bereichen verortet. Der Geist-Begriff ist zunehmend unscharf geworden: Formulierungen wie „dass der Geist Gottes in der Welt präsent ist und wirkt“ lassen sich auch jenseits christlicher Weltanschauung verstehen. „Spiritualität“ kann auch im esoterischen Sinn gelebt werden.
Vor dem Hintergrund eines Weltbildes im „aufgeklärten Westen“, das Übernatürliches ausschließt, erscheint vieles als „Geist“, das nicht streng rational ist: Bauchgefühl, Intuition, Inspiration und Kreativität werden immer häufiger mit einer geistlichen Ebene gleichgesetzt, weil eine Unterscheidung zwischen menschlichen und göttlichen Quellen nicht mehr stattfindet, wenn Religion und Spiritualität als rein menschliche Funktion gedacht werden. Spiritualität wird zum Gegenprinzip zum Dogmatischen: „Der spirituelle Mensch kann auch ein Mensch sein, der unter einem vollkommen leeren Himmel mit seiner eigenen Spiritualität, Me-Time und der Intensität seiner authentischen spirituellen Selbstentfaltung die Polarisation in der Vertikalen verloren hat“ (so Ralf Frisch auf der SMD-Herbstkonferenz 2025).
So ist es heute hoch anschlussfähig zu sagen, dass „Gott mit seinem Geist in der Welt unterwegs ist“; es bedarf aber der Konkretion, welcher Gott mit welchem Geist auf welche Weise „unterwegs“ ist. In der Bibel finden wir reichlich Material zur Klärung. Es ist bedauerlich, wenn diese Facetten des neutestamentlichen Berichts bei engagierten Christen unterbelichtet bleiben, weil Vermischungen und Verstörungen zu genereller Skepsis geführt haben.
Sind wir bereit für den Heiligen Geist?
Heinrich Christian Rust, der die Geistliche Gemeindeerneuerung im Bund Ev.-Freikirchlicher Gemeinden maßgeblich geprägt hat, hielt im Herbst 2024, kurz vor seinem Tod, eine bewegende letzte Ansprache auf dem Christen Convent Deutschland (CCD):
„Jetzt kommt eine neue Phase des Lernens. […] Kann es sein, dass der Heilige Geist uns ruft? […] Jesus […] sagt, als er weggeht, in seinen Abschiedsreden: ‚Seid froh, dass ich gehe, sonst wird der Heilige Geist nicht kommen, denn dieser wird euch alles erklären. Er wird euch in die ganze Wahrheit führen.‘ Er ist sozusagen der Lehrmeister Christi schlechthin. Ich glaube, dass der Geist wirklich unter der Türschwelle durchwill und sagt: ‚Ich will jetzt endlich mal kommen! Seid ihr bereit?‘ […] Man kann nicht Kirche Jesu Christi bleiben ohne Heiligen Geist. Oder, dass es mal gerade so reicht für die Bekehrung. Der Heilige Geist schiebt Christus in die Mitte deines persönlichen Lebens. Er wohnt in dir. Und er wohnt in seiner Gemeinde […]. Deshalb wünschte ich mir, dass wir uns nochmal zusammenstellen und bekennen: ‚Ich will mich dafür einsetzen! Ich will den Heiligen Geist – nicht nur offen sein dafür, sondern ich will ihn in meiner Gemeinschaft fördern, wo immer ich das kann, mit allen meinen Möglichkeiten!‘“
Leben mit dem Heiligen Geist ist keine Saisonerscheinung zu Pfingsten und lässt sich auch nicht nach einer bestimmten Zeit abhaken. Vielmehr ist es eine „Querschnittsaufgabe“, die alle Bereiche unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Christenlebens durchdringen soll. Wie das aussehen kann, darum geht es in diesem Buch. Wir sind überzeugt davon, dass das Wirken des Heiligen Geistes jedem an Christus Glaubenden zu allen Zeiten gilt. In diesem Geist ist Gott bei uns gegenwärtig. Das kann sehr unterschiedlich aussehen, aber Leben in der Kraft des Heiligen Geistes ist das normale Christsein, das wir im Neuen Testament sehen und das uns dazu befähigt, unseren Auftrag zu erfüllen: Menschen zu ihrem Heiland Jesus Christus zu führen. Diese Kraft brauchen wir auch im 21. Jahrhundert.
Aus Frauke Bielefeldt (Hrsg.): Die Kraft des Heiligen Geistes. Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist. Brunnen Verlag, Gießen 2026, S. 16-23.

Das neue Buch unserer vier Erneuerungsbewegungen, herausgegeben von Frauke Bielefeldt, ist jetzt lieferbar!
Es beantwortet Fragen: Wer ist der Heilige Geist, wie wirkt und erneuert er? Wie wirken Geist und Wort zusammen? Wie hören Menschen Gottes Stimme, was ist die Gabe der Prophetie und wie gehen wir mit ihr um? Was ist die „geistliche Welt“? Es blickt in die Kirchengeschichte, fragt nach der Rolle der Sakramente und packt auch „heiße Eisen“ an wie „geistliche Kampfführung“, Befreiungsdienst oder die Frage nach Heilung (für alle?) und körperlich sichtbaren Geistwirkungen. Autoren berichten, wie der Heilige Geist ihr Leben konkret verändert hat, wie man „hörend betet“, was es mit dem Sprachengebet auf sich hat und wie Gemeindegründung und Jugendarbeit in der Kraft des Geistes gelingen.
Mit Beiträgen von Swen Schönheit, Manfred Schmidt, Henning Dobers, Frauke Bielefeldt, Kerstin Wendel, Heinrich Christian Rust, Peter Zimmerling (Univ. Leipzig), Christoph Raedel (Freie Theol. Hochschule Gießen), Tillmann Krüger, Michael Bendorf, Martin Birkenhauer, Tobias Lenhard und vielen mehr.
Hinter dem Buch stehen Geistliche Gemeindeerneuerung im BEFG, GGE Deutschland, Katholische Charismatische Erneuerung und GEISTbewegt im Bund FeG.
Frauke Bielefeldt (Hrsg.): Die Kraft des Heiligen Geistes. Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist. Brunnen Verlag, Gießen 2026. 236 S., 20 Euro.
->Direkt im GGE-Shop bestellen oder im Buchhandel (ISBN 978-3-7655-2194-2).

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