Griff nach der Macht #5: Wie reagieren wir in Deutschland, wenn eine direkte Achse von Trumps Machtzirkel zu uns „Frommen“ gezogen wird? Manfred Schmidt und Tillmann Krüger haben ein paar Ideen. Letzter Teil unserer Interview-Reihe.

Seit Donald Trumps erster Amtszeit als US-Präsident nehmen zwei Strömungen unter amerikanischen Christen immer mehr an Fahrt auf: ein christlicher Nationalismus und eine apostolisch-prophetische Bewegung, die oft verkürzt mit dem Schlagwort „New Apostolic Reformation“ bezeichnet wird. Beide sind nicht identisch, aber eng miteinander verknüpft. Beiden liegt eine hoch problematische Theologie zugrunde und ein verqueres Verständnis dessen, was das „Reich Gottes“ meint, von dem Jesus im Neuen Testament spricht: Christen sollen an Schlüsselpositionen in Gesellschaft und Politik Macht erlangen und ausüben und den vermeintlichen „Willen Gottes“ „top-down“, also von oben nach unten durchsetzen, zur Not auch mit Gewalt. Diese demokratiefeindlichen Vorstellungen setzen innerhalb der unabhängigen charismatischen Bewegung in den USA Trends, die uns in der GGE Deutschland als ebenfalls charismatischer Bewegung mit großer Sorge erfüllen. Deshalb widmen wir dem Thema eine mehrteilige Reihe auf unserem Blog. Wie wir als GGE das Reich Gottes verstehen, lest ihr hier.
Eva Heuser spricht dazu mit Manfred Schmidt und Tillmann Krüger.
Manfred Schmidt ist ev. Theologe, Seminarleiter und Autor und gehört zum Leitungskreis der GGE Deutschland.
Dr. Tillmann Krüger ist Pastor der Braunschweiger Friedenskirche und Teil des Leitungskreises der Geistlichen Gemeindeerneuerung im BEFG (Baptisten).
Beide haben enge Berührungspunkte mit unserem Thema.

Heute in Teil 5: wie wir in Deutschland konkret reagieren können
Teil 4 – Auswirkungen, mit denen wir in Deutschland zu tun haben – lest ihr hier. In den Teilen 1-3 war Bob Griffing als US-Amerikaner und im charismatischen Spektrum beheimateter Christ unser Gesprächspartner, zu lesen hier: Teil 1 – Bobs Sorge um die Mitchristen in den USA, Teil 2 – Einflüsse und Akteure in den USA, Teil 3 – was wir dem problematischem Bibel-Verständnis entgegenhalten können.
Berichte in deutschen Medien nehmen zu, die die Angst vor „radikalen Christen“ schüren, die möglicherweise nach US-amerikanischem Vorbild nach Einfluss streben könnten. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder das Stichwort AfD. Nun hält der Philosoph Richard David Precht eine Kanzlerin Alice Weidel nach der nächsten Bundestagwahl für möglich. Lassen sich Christen durch bestimmte Themen von der AfD „einfangen“?
Manfred: Die Erfahrung, als Christ mit konservativen Einstellungen gesellschaftlich als „extrem“ hingestellt zu werden, ist da. Gerade bei älteren Glaubensgeschwistern nehme ich da eine hohe Frustration und innere Zerrissenheit wahr. Solange die AfD aber kein besseres Führungspersonal hat, weder in der Breite noch in der Spitze, wird eine Differenz bleiben und der Brückenschlag nicht gelingen.
Tillmann: Es gibt aber schon länger auch Christen in der AfD …
Manfred: … von denen manche aber wegen der übrigen AfD-Positionen und der internen Streitereien wieder austreten.
Die Themen, die die AfD besetzt, sind teilweise auch die, mit denen Trump Evangelikale in den USA ködert: zum Beispiel Gender Mainstreaming und Abtreibung. Was aber ist mit eher „linken“ Themen wie dem Umgang mit den Schwachen oder „Fremden“ in unserer Mitte? Jesus war das extrem wichtig.
Manfred: Ja, aber da greift die gleiche Emotionalität wie in den USA. Viele fühlen sich „überfremdet“, die Nachrichten von Attentaten prägen die Empfindungswelt. Wann ist den Leuten das Gewicht dieser Last zu groß? Wenn Konservative empfinden, dass ein eher „linker Mainstream“ die sozialen Themen vor sich herträgt, gleichzeitig aber alles andere niedermacht, passt das für sie auch nicht zusammen.
Tillmann: Ganz grundsätzlich müssen wir feststellen, dass es das christliche Abendland nicht mehr gibt. Vor Jahren hat der Präsident des Diakonischen Werks in Berlin gesagt: „Unser Problem in der Diakonie ist, dass wir keinen Kontakt mehr zur Basis haben.“ Alles sei zwar professionalisiert, aber niemand mehr „richtig mit dabei“. Ich glaube, es braucht einen „Wichern-Moment“ in unserer Zeit [Johann Hinrich Wichern wurde aus seinem Glauben heraus zu einer bedeutenden Gründerfigur der Diakonie, Anm. d. Red.]: Wir müssen neu verstehen, dass wir das Thema soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherung wieder von unten, von der christlichen Nächstenliebe her, aufrollen müssen. Was ist die Antwort der Kirchen darauf, dass der Bundeshaushalt laut Prognosen 2029 für Sozialausgaben, Verteidigung und Renten draufgehen wird? Ich fürchte, die AfD wird irgendwann checken, dass das der neue Grund ist, auf dem radikale Parteien gedeihen. Es bräuchte eine neue Graswurzel-Bewegung von Christen, die sich um die Armen, die Benachteiligten kümmern. Damit geht erst einmal keiner auf Social Media viral, aber es würde wahrgenommen werden, wenn es in jedem Kaff Christen gäbe, die sich um die kümmern, die nichts mehr haben. Denn worauf steuern wir denn zu? Die Rente ist ein riesiges gesellschaftliches Problem und das wird für sehr viele richtig existenziell. Wo setzen wir als Kirchen da Gegenimpulse? Worauf macht uns der Heilige Geist aufmerksam? Und das sollten wir tun.
Manfred: Ich finde super, was du sagst. Vielleicht hilft das bei uns. Nur kannst du in den USA das Phänomen beobachten, dass die Kirchen bereits einen Großteil der sozialen Arbeit machen … Das hat aber leider die politisch-theologische Entwicklung dort nicht verhindert.
Tillmann: Das stimmt.
Bringen wir es nochmal auf den Punkt: Warum kann das, was in Amerika gerade passiert, bei uns so nicht passieren? Charismatische Christen sind in Deutschland zahlenmäßig keine nennenswerte Größe, entfalten also als Wählerpotenzial keine wirkliche Macht wie in den USA. Gleichzeitig gibt es bei uns keine Tradition christlich-nationalistischer Ambitionen. Dass eine AfD maßgeblich mit den Stimmen charismatischer Christen in den Bundestag gespült würde, auch noch Gewaltanwendung gebilligt würde, um einen Staat zu errichten, der den vermeintlichen „Willen Gottes“ durchdrückt, ist in Deutschland vollkommen undenkbar.
Manfred: Das sehe ich auch so. Das Christentum in Europa hat sich in den letzten 1500 Jahren nie als ein „optimistisches Weltverbesserungsprojekt“ verstanden, wie das in den USA der Fall ist. Aber ob nicht noch ein Framing gefunden werden könnte, mittels dessen fromme Christen mehrheitlich eine AfD unterstützen? Ich halte das für unwahrscheinlich, aber nicht für unmöglich. Das würde sicher eine Veränderung bei der AfD erfordern, was aber nicht undenkbar ist. Die Erfahrungswelt und der Frust vieler konservativer Christen ist jedenfalls nicht so weit von den USA entfernt.
Tillmann: Wir haben auch nicht das Problem, dass wir uns als „gelobtes Land“ verstehen und die Verheißungen Gottes an Israel fälschlicherweise auf uns beziehen. Wir haben eine andere geistesgeschichtliche Grundlage, eine andere Erfahrung in unserer eigenen Geschichte und auch ein anderes Selbstbild, das uns vor einigen Dingen vielleicht auch bewahrt. In Deutschland kommt noch keiner auf die Idee zu sagen, wir sind „das gelobte Land“. Wir merken auch gerade, dass wir nicht so wichtig sind wie gedacht, das ist eigentlich ganz gesund. Dass wir nicht mehr Weltmarktführer im Exportieren sind, dass auch andere gute Autos bauen können und so weiter. Dennoch sage ich auch nicht, dass wir dagegen immun sind. Manche sagen, dass sich die AfD zersägen wird, wenn sie wirklich mal regiert. Ich weiß es nicht. Meine Hoffnung wäre, dass die Mitte der Gesellschaft aufsteht. Dazu gehören kirchliche Leute, dazu gehören Intellektuelle und Akademiker, dazu gehören Arbeiter, die weiterhin was von ihrem Leben und Einkommen haben wollen. Die verstehen, dass das, was die AfD politisch umsetzen will, einfach nicht aufgeht.
Welche Impulse sollten Christen stattdessen setzen?
Tillmann: Geistlich gesprochen wünsche ich mir eine Rückbesinnung. Ich wünsche mir mehr Jesus in der Kirche. Wir haben Jesus an den Rand gedrängt und aus ihm so einen Softie mit Birkenstockschlappen und Jutetasche gemacht. Ganz ehrlich, den brauche ich auch nicht. Ich wünsche mir, dass die Kirche aufsteht und sagt, wir hören auch auf, uns gegenseitig zu bekämpfen. Damit lähmen wir uns nur. Eine richtige schöne Ökumene in versöhnter Verschiedenheit, das fände ich klasse – mit Christus im Herzen, einer Graswurzel-Bewegung des Glaubens und einer gewissen Reichweite. Weil es bei jedem Movement Exponenten mit Reichweite gibt, die sich öffentlich äußern können. Vielleicht ist Johannes Hartl einer davon. Es wird noch andere geben. Und dann wäre die Frage, wie wir die unterstützen und uns dahinter stellen können. Die Kirche muss aufwachen aus ihrem Schlaf und auch aus diesem Aktionismus, in dem sie sich befindet. Gerade der evangelischen Kirche würde es guttun, sich wieder auf ihre Kerninhalte zu konzentrieren. Wir müssen Jesus predigen als den Gekreuzigten und Auferstandenen. Wir müssen die Hoffnung predigen, die in uns ist. Und wir müssen die Liebe leben, die überzeugt. Eine bessere Idee habe ich nicht. Denn ein Reich Gottes, das mit menschlichen Mitteln verwirklicht wird, ist nicht das, was ich von der Bibel her sehe.
Manfred: Bei Jesus möchte ich einhaken: Genau das ist der zentrale Punkt. Zumindest auf die evangelische Kirche setze ich aber wenig Hoffnung, weil sie meiner Beobachtung nach konsequent dem Zeitgeist hinterherhinkt. Sollte der mal mehrheitlich rechts sein, wird es die Kirche fünf bis zehn Jahre später auch sein. Es ist der Jesus der Evangelien, um den es geht. Seinen Weg soll die Gemeinde Jesu gehen. Und wenn das heißt, ins Martyrium zu gehen, dann heißt es eben, mit ihm ins Martyrium zu gehen. Und wenn das heißt, es gibt eine Erweckung, dann gibt es eine Erweckung. Wir müssen uns auf ihn zentrieren, den Verkündiger der Bergpredigt. Auf ihn, der gesagt hat, wer der Erste sein will, soll euer aller Diener sein. Es gilt, die Wucht dieser Proklamationen wieder hervorzuholen und zu sagen: „Das ist der Maßstab, an dem alles gemessen wird!“ Wir sollten weniger auf „Erweckung“ und weniger auf „Massentauglichkeit“ setzen. All diese Dinge sind sekundär – sie kommen oder auch nicht. Aber genau das ist im charismatischen Bereich in den letzten Jahrzehnten permanent fokussiert worden. Die Leute haben gesagt: „Wenn dann die Erweckung kommt, dann …“ Ich kann es nicht mehr hören. Dabei gerät Jesus doch in den Hintergrund.
Tillmann: Danke, Manfred. Gandhi hat mal gesagt, wenn die Christen wüssten, was für ein „Dynamit“ sie in den Worten Jesu haben! Dann würde die Welt anders aussehen. Die Idee des gewaltfreien Widerstands kam nicht aus dem Hinduismus, sondern aus der Bergpredigt. „Erweckung“ ist für mich auch ein schwieriger Begriff. Wann bist du denn näher dran oder nicht? Wie gehst du Schritte zu Erweckung? Lasst uns doch fasten und beten, um Gott zu begegnen, um uns vorzubereiten für den Herrn, um unsere Beziehung zu ihm zu vertiefen, um mehr von ihm zu hören, uns zu reinigen … da gehe ich sofort mit. Ich wünsche mir nachhaltig gelebtes Christsein an der Basis, denn das wird unsere Welt prägen und unsere Gesellschaft verändern, die immer kälter wird. Jesus sagt doch, dass die Liebe in vielen erkalten wird. Dann sollten wir doch diejenigen sein, die ein bisschen Wärme in die Welt bringen. Die das tun, finden sich dann womöglich in einem interessanten Boot mit anderen, die auch soziale Werte betonen und eigentlich eher „links“ aufgestellt sind – und gerade nicht bei den „Rechten“.
Wie aber können Christen angemessen auf Medienberichte reagieren, die sie pauschal in eine extrem rechte, illiberale Ecke stellen?
Manfred: Manchmal wird viel Geld ausgegeben – wenn beispielsweise jemand für eine Recherche in die USA fliegt –, aber doch nur kolportiert, was alle anderen auch schon sagen. Ab und zu versucht ein Journalist zu differenzieren, in dem er sagt, dass „nicht alle Freikirchen“ so oder so sind. Das fällt mir auf. Aber das könnte auch eine Schutzbehauptung sein, wenn der Bericht am Ende doch einen anderen Gesamteindruck vermittelt. Im Bayerischen Rundfunk aber hat ein relativ junger Reporter wirklich mal versucht, fair zu sein, als er sich das ICF München anguckte. Das gibt es vereinzelt auch.
Tillmann: Ich glaube, wir müssen unsere Stimme erheben, auch wenn das Zeit und Kräfte kostet. Nach dem Bericht „Die hippen Missionare“ Anfang Januar habe ich eine ausführliche Programmbeschwerde an die ARD geschrieben. Da wurde wirklich alles zusammengerührt – am Ende hat man noch den katholischen Missbrauchsskandal, irgendwelches Finanzgebaren, J.D. Vance und die Trump-Administration dazu gepackt. Da wurden alle Register gezogen und als Zuschauer konntest du glauben, dass hier eine Weltverschwörung im Gange ist. So etwas ist unsachlich und falsch. Wir müssen die Echokammer, die da gebildet wird, „durchlöchern“, damit es akustisch ein bisschen breiter wird. Viele Journalisten übernehmen auch Dinge aus Vorberichten, ein Beispiel: Zum Amoklauf 2011 von Anders Breivik in Norwegen wurde im Radio von einem „christlichen Attentäter“ gesprochen. Ein anderer Radiobeitrag brachte dann, es gebe auch in Deutschland radikale Christen, unter anderem die Anskar-Kirche in Hamburg [die Tillmann damals leitete, Anm. d. Red.]. Dagegen habe ich mich gewehrt. Bei einer offenen Stunde zum Amoklauf bezog sich im Stuttgarter Parlament auch wieder jemand auf die Anskar-Kirche und das landete in der Stuttgarter Zeitung. Da habe ich wieder eine Beschwerde geschrieben. Wir müssten jedes Mal Tausende Beschwerden schreiben. Wir sind als Christen viel zu brav. Wo sind wir bereit, aufzustehen und zu sagen, wir machen da nicht mit?
Eine Adresse für Beschwerden wäre außerdem der Presserat oder die Rundfunkräte der einzelnen öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender. Das ICF München hatte mit einer Beschwerde gegen den „Spiegel“ übrigens kürzlich Erfolg. Christliche Influencer kommen auch oft nicht gut weg. Wobei Leonard Jäger („Ketzer der Neuzeit“) auch eine widersprüchliche Figur abgibt. Erst geht er mit Alice Weidel auf Kuschelkurs, dann wieder auf Distanz zur AfD.
Tillmann: Ich frage mich, kann man mit jemanden wie Leonard Jäger oder manch anderem Christfluencer reden? Vielleicht sind das einfach junge Christen, die Sachen rausballern und überhaupt nicht überblicken, was sie damit tun. Ich weiß nicht, ob sie das wollen würden, aber eigentlich bräuchten sie geistliche Väter und Mütter, die sie an die Hand nehmen und sagen, „hör mal, sag das doch ein bisschen anders. Überleg, was du damit auslöst.“ Gute Akzente zu setzen wäre ganz wichtig.
Manfred: Ich denke, Leute in Führungspositionen werden in den Medien am ehesten wahrgenommen. Personen des öffentlichen Interesses müssten den Mund aufmachen. Mit ihnen können sich dann wiederum viele solidarisieren.
Tillmann: Ich bin ganz bei dir. Es braucht Sprachfähigkeit an der Basis, aber auch prominente Sprachrohre, die sich positionieren, selbst wenn sie dann in irgendeine Ecke gestellt werden sollten … Wir werden uns dadurch doch nicht verbieten lassen, über Dinge zu sprechen. Von Presseleuten weiß ich, dass Programmbeschwerden „hochgerechnet“ werden: Pro Beschwerde, die eingeht, rechnet man auch mit entsprechend vielen, die nicht geschrieben wurden. Wenn nur 10 Prozent der Christen in der Evangelischen Allianz eine Beschwerde schreiben – sagen wir etwa 100.000 Leute –, dann wird das auf mehrere Millionen hochgerechnet und das wäre eine Masse, die sich nicht mehr ignorieren ließe. Damit würde deutlich, dass es noch eine andere Sicht auf ein Thema gibt. Wir bräuchten mehr Stimmen, die im ganzen Land deutlich machen: Es gibt Konservative, die nicht „extrem“ oder „rechts“ sind. Wir sollten die Mittel der Basisdemokratie nutzen. Wir können die Bundestagsabgeordneten in unseren Wahlkreisen besuchen, schildern, was uns auf den Senkel geht, und ihre Haltung dazu erfragen. Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Ich habe keine Lust mehr, mich für das, was ich denke, zu entschuldigen. Wenn das jemand dann nicht toll findet – so what. Ich finde diese Rechts-Links-Kategorien im Übrigen sehr schwierig und fühle mich völlig falsch repräsentiert, wenn ich in irgendeine Ecke geschoben werde. Wenn ich mir anschaue, wie junge Leute sich in Frankreich gerade massenhaft katholisch taufen lassen und in England zurück in die Kirche kommen, dann scheint mir die Gen Z neue Wege zu gehen. Ich sehe da einen Pragmatismus, den ich klasse finde. Nach dem Motto, was diskutiert ihr darüber, ob es zwei Geschlechter gibt? Wir sind doch happy mit unserem Leben. Und wenn es Leute gibt, die anders leben wollen, dann lass sie doch …
Manfred: Diese Freiheit müssen wir uns innerlich zugestehen, nicht jedes Fettnäpfchen unbedingt vermeiden zu wollen. Wen es interessiert, der kann nachfragen und herausfinden, wie „rechts“ oder „links“ ich tatsächlich bin. Ich habe das Gefühl, dass diese Sorge, etwas nicht sagen zu können, gerade in der jungen Generation abnimmt. Mehr und mehr junge Leute machen einfach „ihr Ding“ und ihre Follower finden es gut. Es interessiert sie nicht, ob sich jemand aufregt, manche begrüßen es sogar.
Und letztendlich haben wir rechtliche Grenzen, innerhalb derer wir uns mit unserer Meinung in Deutschland wirklich frei bewegen können. Ob öffentlich-rechtliche Medien aber fairer über konservative Positionen berichten, muss sich zeigen. Das Bundesverwaltungsgericht hat sie jedenfalls jetzt an ihre Pflicht zur politischen Ausgewogenheit gemahnt. Um es zusammenzufassen: Der Knackpunkt ist der Begriff vom Reich Gottes, der kein politisches Reich meint. Mutig die eigene Meinung vertreten. Den Fokus auf Jesus und seinem Wort halten, ihm nachfolgen.
Tillmann: Auch was Loren Cunningham mit der „dienenden Leiterschaft“ meinte, ist wichtig. Wo dienen wir unserem Land, unserer Umgebung? Das kann durch Gebet, durch Fasten geschehen, das kann aber auch Social Action bedeuten. Unsere Gemeinden sollen keine abgegrenzten Zufluchtsorte sein, sondern nach außen offen sein und unsere Stadtteile oder Dörfer spürbar, nachhaltig verändern. Daran sehen auch Menschen, die nicht an Gott glauben, deutlich, wofür wir Christen stehen.
Manfred: Ein Problem brennt mir noch auf der Seele. Ich erlebe aber auch, dass Leute, die an der Basis ganz tolle Sachen machen und sich für ihr Umfeld engagieren, zum Teil eine ganz schräge Theologie haben können. Ob das im Zusammenhang mit Covid war, ob es bestimmte politische Sichtweisen sind, Verschwörungstheorien oder die Überzeugung, mit einer riesigen Erweckung die Wiederkunft Jesu herbeiführen zu können …
Tillmann: Ich verstehe den Schmerz, den du hast. Vielleicht können wir uns freuen über diejenigen, die etwas bewegen und gleichzeitig schauen, was wir als geistliche Erneuerungsbewegungen zu einer gesünderen Theologie beitragen können. Da bin ich sofort dabei. Ich glaube, dass das „ökumenische Konzert“ in unserer Zeit Power hat, und zwar in Kombination mit einer charismatischen Grunderfahrung. Wie Karl Rahner sagte: „Der Fromme von morgen wird ein ,Mystiker’ sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“
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