„Gott wird einen Tau vom Himmel schenken“

Beten wir in der heute beginnenden Fastenzeit, dass Gott den Glauben in unserem Land neu belebt: ein Impuls von Landesbischof Tobias Bilz (Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens) von der „MEHR“-Konferenz Anfang Januar. 

Ich habe von Jugend auf etwas in mir, das sagt, „ich möchte mehr von Gott“. Ich möchte mehr Glauben, mehr Liebe, mehr Hoffnung. Ich möchte mehr Intensität. Ich möchte mehr von der Kraft des Heiligen Geistes. Ich möchte mehr Gaben Gottes empfangen. Es geht nicht darum, etwas zu erarbeiten oder sich bei Gott etwas zu verdienen. Doch diese Sehnsucht ist in mir nicht tot zu kriegen, sie ist immer wieder da. Als Student habe ich ein kleines Büchlein von zwei französischen Mystikerinnen gelesen, Lucie Christine und Gabrielle Bossis, und habe gedacht, ja, das will ich auch. Und dann habe ich Bücher gelesen von der Erweckung in Wales Anfang des 20. Jahrhunderts. Und ich habe gedacht, das will ich auch. Sollte es jemals passieren, dass uns die Sehnsucht nach dem Reich Gottes und nach Gott selbst abhandenkommt, dann stimmt etwas nicht! Das ist Anfechtung. Entmutigung ist Anfechtung. Wir sind mit dieser Sehnsucht nach Gott geboren und wir werden sie – natürlich – erst erfüllt bekommen, wenn wir in das Reich Gottes eingehen.

Ich komme aus dem Erzgebirge, dort singen wir in der Adventszeit: „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für“. Wir singen das wie verrückt, weil wir wollen, dass Gott den Himmel aufmacht! Dass Licht kommt, dass das Heil kommt, dass die Christgeburt nicht nur zurückblickend gefeiert wird, sondern dass der Himmel in den Vollzügen, in den Krippenspielen am Heiligen Abend auf die Erde fällt.

In der zweiten Strophe heißt es dann, „o Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß …“; dabei geht es um diese besondere Art, wie Gott das Land befeuchtet. Auch wenn wir Sehnsucht nach dem Kommenden, nach dem Reich Gottes haben, danach, dass Gott die Himmel aufreißt, leben wir doch im Jetzt, in diesem Moment. Es zählt eigentlich immer nur ein einziger Moment in unserem Leben, und das ist jetzt. Das ist hier, das ist heute. Die Frage ist, ob Gott uns jetzt hier und heute etwas schenkt und etwas anvertraut von dem, nach dem wir Sehnsucht haben. Hingabe und Offenheit sind die Gefäße, in die Gott das hineingibt.

Und ich möchte heute mit euch etwas teilen: Es hat sich bei mir eine Gewissheit eingefunden. Nämlich die Gewissheit, dass Gott einen Tau vom Himmel schenken wird. In dieser Zeit in unserem Land. Wir werden eine wahrnehmbare Belebung des Glaubens in unserem Land erleben.

Der Tau ist ein Sinnbild für Erfrischung, Ermutigung und für eine kommende Heilszeit. Er steht zugleich für die Versorgung Gottes in Zeiten der Dürre, in Zeiten, wo es keinen Regen gibt. Natürlich ist in dieser Strophe auch von dem Regen die Rede, der herabfließt. Aber vor dem Regen kommt der Tau. Schaut einmal nach, wo in der Bibel überall von Tau die Rede ist. Das ist ganz großes Kino! Der Tau kommt schon im 1. Buch Mose vor (Kapitel 2): Bevor Gott die Pflanzen geschaffen hat, befeuchtete ein Nebel die Erde, bevor Gott die Menschen geschaffen hat, kam Gott mit dem Tau. Im Buch Hiob und dann in Psalm 110 heißt es, der Tau ist von Gott „gezeugt“ – weil der Tau sich auf geheimnisvolle Weise aus der unsichtbaren Welt einfindet, selbst in der Wüste! Nicht wie der Regen, der aus den Wolken kommt, sondern „da“ ist und direkt von Gott kommt. Psalm 133 sagt, wo der Tau Gottes fällt, ist Segen und Leben in Ewigkeit (V. 3). Der alte Isaak segnet seinen Sohn Jakob und sagt, du sollst den Tau des Himmels erleben, und Jakob gibt den Segen an seinen Sohn Josef weiter. Und dann gibt es noch eine ganz geheimnisvolle Geschichte, wie Gott das Volk Israel versorgt, als sie durch die Wüste ziehen und im Morgentau das Manna finden. Der Tau ist das, was Gott uns neu und regelmäßig schenken will. Ich möchte das an einigen wenigen Punkten konkretisieren.

Zunächst muss der Tau wahrgenommen werden. Wir sind oftmals sehr fixiert auf das, was gerade nicht ist, was gerade trocken ist, was gerade weniger wird und wo sich Erwartungen nicht erfüllen. Doch der Tau muss wahrgenommen werden! Ich bin vor einigen Jahren mit meiner Familie per Wohnmobil etwas außerhalb von Florenz auf einem Campingplatz gewesen. Es war sehr heiß, deshalb haben wir draußen auf der Wiese übernachtet. Und als ich morgens aufwache, mit dem Kopf in Grashöhe, habe ich die Tautropfen gesehen wie nie zuvor in meinem Leben. Ich habe gesagt, das gibt es doch nicht, ich muss erst nach Florenz fahren, um Tau wahrzunehmen! In einem Museum dort steht der „David“ von Michelangelo – Michelangelo hat das gut gemacht, aber ich sage euch eins: Der Tau in Florenz, der toppt das ohne Ende! Und wenn wir den Tau nicht wahrnehmen, dann werden wir verpassen, wie Gott Leben zeugt.

Das Zweite ist, der Tau muss auch aufgenommen werden. Es gibt einen alten Outdoor-Trick: Wenn du nichts zu trinken hast, steh vor Sonnenaufgang auf, binde dir zwei T-Shirts um die Waden und lauf durch taunasse Wiesen. Deine T-Shirts saugen sich voll Wasser und du wirst staunen, wie viel Tau auf der Wiese ist. Dann wringst du den Tau aus, in ein Glas hinein, und hast etwas zu trinken (wohl dem, der saubere T-Shirts dabei hat …). Natürlich kann man Bilder auch überziehen, aber ich mache selbst die Erfahrung, dass früh am Morgen mehr von der Gegenwart Gottes aufzunehmen ist als am Tag, wenn die Sonne kommt, alles auf uns einprasselt und es schon mal heiß ist. Im Morgengrauen zu beten, das ist, wie den Tau des Himmels aufzunehmen.

Mein dritter Punkt: Vor einiger Zeit habe ich mit einer Gärtnerin über den Tau gesprochen. Sie sagt: „Wenn nach langer Trockenheit Regen angesagt ist, gieße ich die Erde vor dem Regen.“ Ich frage, warum machst du das? Sie sagt, „weil die befeuchtete Erde den Regen aufnehmen kann, aber die trockene Erde kann das nicht.“ Im Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ geht es in Strophe 2 nach dem Tau mit dem Regen weiter – das Lied bezieht sich auf einen Vers aus Jesaja 45: „Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit!“ Der Regen wird kommen, aber wenn der Tau nicht vorher die Erde befeuchtet, kann der Boden das Wasser nicht aufnehmen und es fließt davon. Manche denken, „ich will gern den Platzregen Gottes haben!“ Stichwort Sehnsucht. Oder: „Wir brauchen Erweckung und Revival …“ Immer mit der Ruhe, das wird schon werden! Aber wenn wir vorher nicht das Land befeuchtet haben mit dem, was Gott jetzt unter uns schon schenkt an gezeugtem Leben, werden wir den Regen nicht aufnehmen können.

Zum Schluss möchte ich euch eine Begebenheit erzählen, mit der ich euch zum Gebet einladen will. Ich bin am Anfang meiner Dienstzeit als Landesbischof in einer Gemeinde im Erzgebirge gewesen, zu einem Kirchweihjubiläum. Und ich merke in diesem Gottesdienst von Anfang an, dass aus irgendeinem Grund die Gegenwart Gottes hier stärker ist als sonst. Ich weiß bis heute nicht, warum. Wir sitzen im Gottesdienst, der Pfarrer des Ortes neben mir, und dann fällt ein Tau … Ich kann das nicht erklären, aber ich kann spüren, dass Wasser von oben kommt, ganz fein, so als ob jemand mit einer Pflanzensprühflasche arbeiten würde. Ich gucke zu meinem Pfarrkollegen und in diesem Moment guckt er hoch an die Decke. Ich sage, „merkst du es auch?“ „Ja“, sagt er, „ich merke es auch.“ Ich sage, „euer Dach ist dicht, oder?“ „Ja“, sagt er, „es regnet auch nicht.“ Ich sage, „okay, dann muss es etwas anderes sein.“ Wir waren nicht in der Lage, weiter darüber zu sprechen, und sind hinterher auseinander gegangen. Wochen später habe ich ihn wiedergetroffen. Ich sage, „du, hast du rausgefunden, wo das Wasser hergekommen ist?“ Er sagt, „es gibt keine Erklärung dafür“. Dann habe ich mit dem Herrn darüber gesprochen und der Herr sagt, ich werde meine Verheißungen erfüllen, dass ich einen Tau auf das Land gebe.

Ich habe tatsächlich die Absicht, euch mit diesem Glauben anzustecken. Glaubt es bitte und haltet euch dafür offen! Wer möchte, wenn ihr mit mir seid, lasst uns einfach beten:

Gott, wenn du das vorhast, ich bin dabei, ich will das auch. Ich leide so unter der Trockenheit. Mein Herr, ich habe Sehnsucht nach dem Tau und ich glaube deinem Wort. Wir brauchen eine Belebung des Glaubens in unserem Land. Und wir können es nicht machen. Wir können keinen Tau produzieren. Wir können uns offen halten dafür. Wir können die Hände ausstrecken. Wir können dich bitten. Herr, wir haben es bitter nötig. Und ich bitte dich für die Menschen hier und die dies darüber hinaus mitvollziehen, dass du sie zu Empfängern deines Taus machst, dass der Tau vom Himmel fällt. Dass wir spüren können, dass der Glaube wieder wächst. Dass du deine Schöpfung wieder in Gerechtigkeit bringst. Dass es so wird, wie es nach deinem Willen sein soll. Gepriesen sei dein Name. Amen.

Landesbischof Tobias Bilz (Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, re.) feiert am 5.1.2026 gemeinsam mit Pfr. Swen Schönheit und Pfr. Thomas Bachmann den ev. Abendmahlsgottesdienst auf der MEHR-Konferenz in Augsburg. Foto: Johannes Molzahn
Landesbischof Tobias Bilz (Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, re.) feiert am 5.1.2026 gemeinsam mit Pfr. Swen Schönheit und Pfr. Thomas Bachmann den ev. Abendmahlsgottesdienst auf der MEHR-Konferenz in Augsburg. Foto: Johannes Molzahn

Dieser Text ist die bearbeitete schriftliche Fassung eines Vortrags von Landesbischof Tobias Bilz (Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens) auf der „MEHR“-Konferenz in Augsburg am 4. Januar 2026. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Landesbischofs. Diesen Vortrag könnt ihr bei Radio Horeb hier nachhören. Alle Vorträge der „MEHR“-Konferenz vom 3. bis 6. Januar 2026 sind als Podcast bei Radio Horeb zu hören.

Ab heute gemeinsam beten und fasten

Beten und fasten wir gemeinsam dafür, dass wir diesen „Tau Gottes“ empfangen und Gott sich vielen Menschen erfahrbar macht. Beten wir für einen „geistlichen Klimawandel“ in Deutschland – und das mit Christen aus unterschiedlichen Konfessionen.
Der Runde Tisch Gebet der Lausanner Bewegung ruft mit der Evangelischen Allianz Deutschland und anderen dazu auf, sich mit einer Gruppe oder Gemeinde zum Beten und Fasten für unser Land anzumelden. Mit dem Beginn der Fastenzeit am heutigen Aschermittwoch soll an jedem der 40 Tage bis Karsamstag, 4. April 2026, von verschiedenen Christen rund um die Uhr gebetet und gefastet werden: „Wir sind angesprochen, die Glocke zu hören, die Gott gerade durch all die Erschütterungen und sein Reden und Handeln im Land und um uns herum kräftig läutet“, sagt Initiator Bernd Oettinghaus, Leiter des Runden Tisches Gebet.

Weitere Infos und den Link zur Anmeldung eurer Gebetstermine findet ihr hier.

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