Meine Erste Hilfe in Krisen und Krieg: Psalmen beten

Wie können wir jetzt beten, in Zeiten von Krieg und Krise? In genau solchen Zeiten sind viele Psalmen der Bibel entstanden. Swen Schönheit hat kraftvolle Worte für Gebetszeiten zuhause und in der Gemeinde ausgesucht.

zum Gebet gefaltete Hände

Kürzlich sprachen wir im Bibelkreis über unsere Lieblings-Psalmen. Da sind so vertraute Gebete wie der 23. Psalm mit seinen „flauschigen“ Bildern. Doch andere Verse aus den Gebeten der Bibel wirken hart – wie Psalm 139, V. 19-22: „Ach, Gott, wolltest du doch den Frevler töten! Dass doch die Blutgierigen von mir wichen! Denn voller Tücke reden sie von dir, und deine Feinde erheben sich ohne Ursache. Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben? Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden.“

Diese Verse blenden wir lieber aus, und sie wurden auch nicht in unser Gesangbuch aufgenommen (EG 754). Doch dann fragten wir uns: Wie sollen wir eigentlich beten, besonders in Krisen und Kriegszeiten? Mein Blick ist auf verschiedene Verse in den Psalmen und im Neuen Testament gefallen, die uns zum Gebet inspirieren können. Bestimmte Grundgedanken kehren dabei immer wieder.

„Wie lange noch, Herr?“

Tief erschrocken ist meine Seele. Du aber, HERR, wie lange? (Psalm 6,4)

Wie lange soll meine Seele noch sorgen und mein Herz täglich aufs Neue trauern? Wie lange wird mein Feind noch die Oberhand behalten? (Psalm 13,3)

Hat Gott vergessen, uns gnädig zu sein? (Psalm 77,10)

Wie lange noch, Herr? Wie lange noch dürfen die Gottlosen höhnisch lachen? … Kann denn der, der eure Ohren gemacht hat, taub sein? Kann der, der euch die Augen gab, blind sein? (Psalm 94,3 u. 9)

Gott liebt Gerechtigkeit und Recht

Denn zum Unrecht kannst du nicht schweigen. Die Gottlosen duldest du nicht in deiner Nähe: Wer dich hochmütig verspottet, den stößt du von dir. Wer deinen Willen missachtet, der ist dir verhasst. (Psalm 5,5-6)

Der Herr prüft Gerechte und Ungerechte und hasst alle, die Unrecht und Gewalt lieben. (Psalm 11,5)

Der HERR liebt Gerechtigkeit und Recht. Die Erde ist erfüllt von der Gnade des HERRN. (Psalm 33,5)

Der HERR ist gerecht in all seinem Handeln und gütig in all seinen Taten. Nahe ist der HERR denen, die zu ihm rufen, allen, die ihn aufrichtig anrufen. (Psalm 145,17-18)

„Erhebe dich, Herr!“ – Bitte um Gottes Eingreifen

Setz der Bosheit der Bösen ein Ende und richte den wieder auf, der deinen Willen tut! Du, Gott, bist unbestechlich, und niemand kann dich täuschen! (Psalm 7,10)

Erhebe dich, Herr! Lass nicht zu, dass die Menschen zu mächtig werden! Die Völker sollen vor dir gerichtet werden! (Psalm 9,20)

Erhebe dich, Herr! Bestrafe die Bösen, mein Gott! Vergiss die Hilflosen nicht! … Zerbrich die Macht dieser gottlosen Menschen und bestrafe ihre Bosheit, damit sie aufhören! (Psalm 10,12 u. 15)

Wach auf, tritt ein für mein Recht, erwache, mein Gott und mein HERR, um für mich zu streiten! (Psalm 35,23)

Greif ein und komm uns zu Hilfe! Erlöse uns, weil du uns doch liebst! (Psalm 44,27)

Gott wird sich erheben; seine Feinde werden sich zerstreuen, und die ihn hassen, werden vor ihm fliehen! … Die Gerechten aber werden sich freuen und fröhlich sein vor Gottes Angesicht und jubeln vor Freude. (Psalm 68,2 u. 4)

Gebete im Neuen Testament

Heilig ist sein Name, und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm, zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen, Mächtige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige erhöht. (Lukas 1,49-52)

… damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2,10-11)

Psalm 46: Gott ist unsere Zuflucht und Stärke

Gott ist unsre Zuflucht und unsre Stärke, er hat sich als Hilfe in der Not bewährt. Deshalb fürchten wir uns nicht, auch wenn die Erde bebt und die Berge ins Meer stürzen, wenn die Ozeane wüten und schäumen und durch ihre Wucht die Berge erzittern! Ein Fluss erfrischt die Stadt unseres Gottes, die heilige Wohnung des Höchsten. Gott selbst wohnt in dieser Stadt, deshalb ist sie uneinnehmbar. Gott wird sie jeden einzelnen Tag aufs Neue beschützen. Die Völker sind in Aufruhr und Königreiche fallen, denn Gott lässt seine Stimme erschallen, und die Erde vergeht! Der allmächtige Herr ist bei uns; der Gott Israels ist unser Schutz. Kommt und seht die mächtigen Taten des Herrn, der Zerstörung über die Welt bringt und den Kriegen überall ein Ende setzt. Er zerbricht die Bögen und spaltet die Speere; er verbrennt die Streitwagen im Feuer. „Hört auf und erkennt, dass ich Gott bin! Ich will von allen Völkern verehrt werden, verehrt werden auf der ganzen Welt!“ Der allmächtige Herr ist bei uns; der Gott Israels ist unser Schutz. (Psalm 46, ab V. 2)

Zitiert nach verschiedenen Bibelübersetzungen.
Mehr als zehn deutsche Übersetzungen hat der „Bibleserver“ des ERF.

Swen Schönheit

Swen Schönheit ist evangelischer Pfarrer in Berlin-Heiligensee und theologischer Referent der GGE Deutschland.

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4 Gedanken zu “Meine Erste Hilfe in Krisen und Krieg: Psalmen beten

  1. Ja, die erstzitierten Verse aus Psalm 139 blenden wir gerne aus. Sie passen so gar nicht zum Gebot der Feindesliebe. Also sollten wir sie auch nicht mehr beten (wollen)? Dürfen sie gar nicht mehr beten? Was machen wir dann mit ihnen, außer sie zu lesen und zu staunen, was da an Krassem in den Psalmen steht?

    1. Hallo Hanna!
      Ich glaube nicht, dass wir Bibelverse streichen oder für „überholt“ halten sollten. Allerdings wird die Sicht auf das/die Böse/n in Neuen Testament präziser: Unser eigentlicher Gegner ist Satan, der Menschen instrumentalisiert. Ihm gilt unser Kampf (Epheser 6). Menschen, sogar Feinde, sollten wir segnen. Gott verabscheut das Böse, aber er liebt sogar Sünder – unglaublich aber wahr!

  2. Vielen Dank für diese Sammlung von MutWorten! Wenn uns manchmal die Worte fehlen, sind Psalmen eine Schatztruhe, die für nahezu jede Lebenslage Kleinode enthält, die wir nachbeten dürfen. Ich glaube, ich werde diese Sammlung öfter lesen.

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