Sei uns willkommen, Heiliger Geist!

Das „CenTral“ im Marburger Stadtteil Richtsberg hat sich für die Geistesgaben geöffnet – damit Menschen das Evangelium erleben. Zehn Grundsätze für geisterfüllte Strukturen in der Gemeinde. Von Johnny Nimmo

Es war frustrierend. Seit Jahren machten wir offene Angebote im Marburger Stadtteil Richtsberg, doch über eine „pädagogisch wertvolle“ Arbeit kamen wir nie hinaus. Und dabei war es doch unser Ziel, Menschen die Realität und Liebe Gottes nahezubringen! Ich hatte das Gefühl, mir den Mund fusselig zu predigen, doch niemand interessierte sich für das Evangelium. Aus diesem Frust heraus wurde ich auf John Wimber aufmerksam. Seine Bücher haben mich stark geprägt: Jesus kam nicht nur, um das Evangelium vom Reich Gottes zu proklamieren und darüber zu lehren. Er kam auch, um es zu demonstrieren – durch Zeichen und Wunder in der Kraft des Heiligen Geistes. Wer Jesus zuhörte, erlebte seine Botschaft!

Erste Schritte im geisterfüllten Dienst

Zaghaft fingen wir an, uns in den Gaben des Heiligen Geistes auszuprobieren. Wir nahmen unseren Mut zusammen, um für Menschen zu beten – oft ohne sichtbaren Erfolg und ohne großes Wissen oder Erfahrung. Doch nach und nach wuchsen wir darin, aus der Kraft des Heiligen Geistes heraus zu handeln. Über die Jahre ließ Gott uns wunderbare Dinge sehen: Menschen, die ihr Leben Jesus anvertrauten, die mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, die gesund und frei wurden. Wie aber entwickelt man eine „charismatische Kultur“ in der Gemeinde? Auf unserem Weg sind uns zehn Dinge wichtig geworden. Es sind Grundsätze und Erkenntnisse, die überall angewandt werden können: in der Gemeinde, im Hauskreis oder in einem Dienst.

1. Das Motiv ist die Liebe

Wenn wir in der Kraft des Heiligen Geistes dienen, muss unsere Liebe zu Gott und Menschen der Motor sein. Sonst verpassen wir das Kernanliegen Gottes und werden anfällig für Schwärmerei und Selbstprofilierung – oder unser Dienst endet in der Belanglosigkeit. Ohne die Liebe sind Zungenrede, Prophetie und alle anderen Gaben nichts (1 Kor 13,1- 3). Unser Dienst ist ein Liebesdienst an den Menschen.

2. Es geht um Gottes Gegenwart

Wir suchen nicht Gottes Kraft oder das geistliche Spektakel, sondern wir suchen Gott selbst. Wenn seine Gegenwart das Zentrum unserer Gottesdienste und Veranstaltungen ist, wird auch seine Kraft unter uns offenbar.

3. Regelmäßig über den Heiligen Geist lehren

Paulus leitet seine Lehre über die Gaben des Heiligen Geistes im Korintherbrief ein: „Über die Gaben des Geistes aber will ich euch … nicht in Unwissenheit lassen“ (1 Kor 12,1). Für ein gutes und gesundes Praktizieren ist es wichtig, die Gemeinde regelmäßig über die Wirkungen der Geistesgaben und den Umgang mit ihnen zu lehren.

4. Die Leitung ist das Vorbild

Die geistliche Kultur einer Gemeinde ist ein Spiegel der Gemeindeleitung. Lässt sie sich vom Heiligen Geist füllen und dient sie sichtbar in der Kraft des Geistes, dann wird ihr Beispiel Teil der Gemeindekultur. Diese Aufgabe kann nicht an Gastprediger delegiert werden! Der Leadership-Experte Simon Sinek sagt: „Wie die Leitung, so die Kultur. Wie die Kultur, so das Unternehmen.“ Leiter stehen in der Verantwortung vorzuleben, was sie in der Gemeinde prägen wollen.

5. Der Gottesdienst prägt alles andere

Der größte Teil der Gemeinde besucht den Gottesdienst. Weil hier die Gemeindekultur am stärksten geprägt wird, sollte der Dienst in der Kraft des Geistes auch hier einen Platz haben. Wir prägen keine charismatische Kultur, wenn die Geistesgaben nur in den Hauskreisen oder besonderen gemeindeinternen Veranstaltungen gefördert werden. Der anglikanische Bischof David Pytches sagt, dass „der Gottesdienst das Trainingsfeld für den Alltag“ sein sollte. Im „CenTral“ erleben wir, dass durch den Gebrauch der Geistesgaben im Gottesdienst Menschen zum Glauben kommen.

Gemeinsam Feste feiern mit den Richtsbergern: Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Gemeinsam Feste feiern mit den Richtsbergern: Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

6. Zeugnisse sind wichtig

Dass Menschen ein sichtbares Wirken des Heiligen Geistes zunächst befremdlich finden und Fragen haben, ist nicht selten. Es hilft, immer wieder Menschen berichten zu lassen, die die Kraft des Heiligen Geistes erfahren haben. Diese Zeugnisse berühren und ermutigen und bieten die Möglichkeit, weiter über das Wirken des Heiligen Geistes zu lehren.

7. Jeder macht mit

Jeder im Leib Christi soll und kann in der Kraft des Heiligen Geistes dienen (vgl. 1 Kor 14,26)! Auch unsere Gottes- dienste und Treffen sollen jedem die Gelegenheit bieten, etwas beizutragen. Wenn nicht die ganze Gemeinde dazu ermutigt und darin trainiert wird, werden die Geistesgaben zu Trophäen und die, die sie gebrauchen, zu „Stars“ – das wäre ungesund.

8. Mut haben und Fehler riskieren

„Unser prophetisches Reden ist Stückwerk“, sagt Paulus (1 Kor 13,9). Wir werden beim Hören auf den Heiligen Geist Fehler machen. Dem Geist folgen und in den Geistesgaben dienen kostet Mut! Deshalb feiern wir, wenn sich jemand mit einem Gebet oder einem Wort der Erkenntnis aus der Deckung wagt – und nicht erst, wenn eine Heilung manifest ist oder ein Wort ins Schwarze trifft.

9. Das Gebetsmodell

John Wimber prägte ein Gebetsmodell für den Dienst in der Kraft des Heiligen Geistes. Dieses Gebetsmodell ist der Leitfaden, der uns im „CenTral“ hilft, die ganze Gemeinde in diesen Dienst zu involvieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, diesem Modell treu zu bleiben, um eine gesunde charismatische Kultur zu prägen.

10. Zeit für den Heiligen Geist einplanen

Eine charismatische Kultur muss gepflegt und in Strukturen gegossen werden, sonst siegt die Bequemlichkeit und der Wunsch nach Planbarkeit und Sicherheit. Wir planen daher in jedem Gottesdienst und auf allen unseren Gemeindetreffen besondere Zeiten ein, in denen wir nur auf das achten und reagieren, was der Heilige Geist unter uns tun will.

Johnny Nimmo

Johnny Nimmo hat mit Freunden das „CenTral“, eine offene christliche Gemeinschaft in Marburg gegründet, die sie gemeinsam leiten. Er lehrt in Deutschland und international über den Dienst in der Kraft des Heiligen Geistes. Johnny ist Prädikant und Fan von Werder Bremen.

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