Europa betet gemeinsam!

Eu Flagge und Hände im Gebet

Christen aus vielen Ländern Europas beten gemeinsam für Frieden in der Ukraine, für Russland, für Europa. Hans-Joachim Scholz war per Zoom dabei und berichtet Bewegendes.

Beten für Frieden in der Ukraine: Rund 1000 Christen aus fast zwei Dutzend Ländern Europas haben sich Anfang März an zwei Gebetstreffen per Zoom beteiligt. Beim ersten Treffen am 2. März wurde eine Botschaft von Geschwistern aus Russland anonym verlesen, die nicht dabei sein konnten. Das war ihnen zu unsicher – wie sie überhaupt erzählen, dass das Mittun am Netzwerk für sie nicht ungefährlich ist.

Eingeladen hatte die Initiative „Miteinander für Europa“. Die Vision der Initiatoren: Überall in Europa kommen Christen zusammen, suchen beim Vater im Himmel Zuflucht und Trost, Ermutigung und Orientierung. Lassen den Heiligen Geist Wahrheit, Hoffnung und Glaube erwecken. Achten „einer den andern höher als sich selbst“ (Brief an die Philipper, Kap. 2, V. 3) – demütig und barmherzig. Diese Haltung tragen sie wie ein Licht in das Dunkel der Lügen und Gewalt. „Steh auf, Gemeinde Jesu!“, lautet der Auftrag an die Christen aller Konfessionen, „lasst euch zu Werkzeugen seines Friedens machen!“ So wie Jesus im Matthäusevangelium sagt: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Kap. 10, V. 16).

Ukrainische Christen teilten Erfahrungen mit

Geschwister aus der Ukraine teilten ihre Erfahrungen mit, es ging uns allen durch Mark und Bein: Von heute auf morgen tote Zivilisten, russische Soldaten in ukrainischen Straßen – und im Herz klopft das Liebesgebot aufs Gewissen („Liebt Eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen“ – Matthäusevangelium, Kap. 5, V. 44). Gleichzeitig erwacht Mitleid mit den russischen Soldaten – von denen einige glaubten, nur in ein Manöver zu ziehen – und doch: diese massive Gewalt der Bomben und Granaten auf Wohnhäuser …

Die Ukrainer Miroslav und Viktor sagten, dass sie von Nehemia aus dem Alten Testament lernen wollten: Die Waffe zur Verteidigung in der einen Hand halten und mit der anderen Hand die Stadt wieder aufbauen (vgl. Nehemia, Kap. 4, V. 10-12). Ukrainische Geschwister beteten um „Herzen aus Fleisch“ für die Ukrainer, aber auch für die russischen Soldaten (nach Hesekiel, Kap. 36, V. 26-27: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun“). Bemerkenswert ist, dass eine Ukrainerin kurz darauf (11. März) im ZDF berichtete, sie sei russischen Soldaten begegnet und erschrocken, dass sie „wie aus Stein“ vor ihr standen („heute“, 19 Uhr, ab Minute 3:15).

Jenseits der Politik eins sein im Geist

Die sehr intensiven Begegnungen in Austausch und Gebet haben allen bewusst gemacht, wie sehr persönliche Betroffenheit und Überzeugung jene herausfordert, die nicht in gleicher Weise betroffen sind: zunächst wir „im Westen“, in der „freien Welt“, zu der auch die Ukrainer gehören möchten. Und dann die „im Osten“, die Russen, die von jeglicher unabhängiger Information abgeschirmt in einer anderen Welt leben.

Das ist die Herausforderung für uns Christen: Uns auf der einen Seite nicht vereinnahmen zu lassen und auf der anderen Seite nicht nur ungeteilte Zustimmung zu erwarten – und doch im Heiligen Geist eins zu sein! Das geht nur, wenn wir bewusst einen Schritt aus der Betroffenheit heraus hin zum Vaterherzen Gottes tun, wenn wir uns „selbst verleugnen“ (Lukasevangelium, Kap. 9, V. 23), uns demütigen und uns nach dem Vorbild, das Jesus uns gegeben hat, „selbst erniedrigen“ (Philipperbrief, Kap. 2, V. 8) angesichts der anderen.

Uns ganz auf Leid und Sehnsucht einlassen – und beten

In der Nachfolge Jesu lassen wir uns darum mit ganzem Herzen auf das Leid der Menschen im Krieg und die Sehnsucht nach Freiheit und Frieden ein, leiten aber alle Erwartungen im Gebet weiter an unseren Vater im Himmel. Weil wir den Frieden von ihm erwarten, können wir unseren eigenen bescheidenen Beitrag für unsere Mitmenschen leisten – nicht mehr und nicht weniger.

Der Krieg hat Christen aufgerüttelt

Der Krieg in der Ukraine hat die Christen weltweit aufgeweckt, auch im Gebet in einen „geistlichen Kampf“ einzutreten, wie es im Epheserbrief heißt: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Kap. 6, V. 12). Jesus Christus ist der Herr der Geschichte, so die Überzeugung der Beter. Die verbindende Motivation: Besser verstehen, worum es geht, und gemeinsam beten. Im Geist Jesu zu Friedensstiftern werden.


GEMEINSAM BETEN für die Ukraine, für Russland, für Europa
Heute, am 17. März, beschließt die Initiative „Europe prays together“ – von Christen und Werken aus (in alphabetischer Reihenfolge) Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Italien, Lettland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweiz, Ukraine, Ungarn – mit einem Livestream von 18 bis 20 Uhr eine Gebetswoche, in der mehr als 16.000 Fürbitter täglich für die Ukraine, Russland und Europa gebetet haben:
um Frieden in der Ukraine und Sicherheit, 
 dass die Liebe Jesu Russland überflutet, 
 dass Menschen in Russland Gott suchen und sich nach der Wahrheit aus strecken wie nie zuvor,
 um einen neuen Geist der Vergebung und des Verständnisses in ganz Europa,
 um eine neue Ära der Zusammenarbeit und der Freundschaft zwischen Ost und West.
Die Fürbitter tun Buße und kehren um, wo sie, auch stellvertretend für ihre Konfessionen und Länder, durch Arroganz oder Lagerdenken Trennungslinien vergrößert haben. 

Miteinander für Europa

Miteinander für Europa ist eine Initiative von europaweit mehr als 300 christlichen Gemeinschaften und Bewegungen verschiedener Kirchen. Als eigenständige Gruppierungen bilden sie ein Netzwerk, das einer „Kultur der Begegnung und Versöhnung“ entsprechen will und sich im gemeinsamen Blick auf Christus in der Mitte begegnet. Durch diese Erfahrung der Einheit wird bereits jetzt etwas von dem gelebt, was Europa vereint und zukunftsfähig macht.

„Miteinander für Europa“ ist von Gerhard Proß mit ins Leben gerufen worden. Wie er sich persönlich und konkret auf Gottes Führung eingelassen hat, beschreibt er jetzt in seinem neuen Buch im GGE-Verlag.

Buchcover „Hören – Wagen – Staunen“ von Gerhard Proß

Gerhard Proß: 
Hören – Wagen – Staunen – Vom Abenteuer, sich auf die Führung Gottes einzulassen
Mit einem Vorwort von Kardinal Kasper

320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Preis: 20.00 EUR

Jetzt im GGE Verlag erhältlich

Hans-Joachim Scholz

Hans-Joachim Scholz ist Pfarrer in der badischen Landeskirche und seit Kurzem im Ruhestand. Er und seine Frau Rita leiten den GGE-Dienst „Kirche und Israel“, weil beides für sie unbedingt zusammengehört.

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