„Gott hat uns eine Tür aufgetan“

Manfred Mitteregger ist GGE-Pfarrer in Österreich: Mit seinen Broschüren zur geistlichen Lebenshilfe erlebt er jede Menge Reich-Gottes-Geschichten. Ein paar davon erzählt er Eva Heuser.

Manfred, du bist evangelischer Pfarrer in der Steiermark und seit fast 30 Jahren in der GGE Österreich aktiv. Mit sechs Broschüren gibst du seit Jahren geistliche Lebenshilfe zu Krankheit, Depression, Angst, Trauer.

Jede Broschüre hat einen besonderen Grund. Alles begann mit „Trost in Trauer“: Diese Broschüre habe ich 2005 verfasst, nachdem meine Frau und ich unseren 20-jährigen Sohn auf sehr tragische Weise durch Suizid verloren hatten. Einmal im Jahr habe ich in meiner Pfarrgemeinde in Gröbming einen Trauerabend angeboten für Familien, die einen Todesfall erlebt hatten. Ich habe gefragt: „Was hat euch in eurer Trauer geholfen?“ Die „Trost“-Broschüre greift diese Rückmeldungen auf.

Was du schreibst, kommt also mitten aus dem Leben und hat sich in der Praxis bewährt.

Ja – Menschen haben zum Beispiel den Trost durch Lieder und Musik, Bibeltexte oder liebevolle Zuwendung als hilfreich benannt, interessanterweise fast immer auch, dass Gott durch Träume zu ihnen gesprochen hat. Zentral ist für mich die Gewissheit des ewigen Lebens: Das ist der tiefe Trost, den wir als gläubige Menschen empfangen. Ich habe die „Trost in Trauer“-Broschüre bei jedem Beerdigungsgespräch in meiner Gemeinde verschenkt und gesagt, „legt euch das Bücherl aufs Nachtkästchen, schaut hinein, es sind auch Gebete drin und anderes, was tröstlich und hilfreich ist. Etwa in einem Monat werde ich euch nachbesuchen.“ Dann habe ich gefragt, ob irgendetwas in der Broschüre sie angesprochen hat, und schon waren wir mitten im Glaubensgespräch. Trauerfragen sind eine unglaubliche Erschließungssituation auf Glauben hin!

Gerade die Großkirchen können bei „Kasualien“ wie Hochzeiten oder Begräbnissen das Evangelium Menschen nahebringen, die sonst nie in einen Gottesdienst gehen würden.

Genauso ist es. Du hast auch mit den Verwandten Kontakt, die Gott vielleicht schon ganz hinter sich gelassen haben. Zum „Totenmahl“ nach dem Begräbnis kommen in der Regel etwa 50 Leute. Ich verabschiede mich als Pfarrer hinterher an allen Tischen, frage, ob ich ihnen noch ein Geschenk geben darf und überreiche jedem Familienmitglied die Trost-Broschüre. Viele haben eine Freude damit, manche legen sie komplett auf die Seite, manche werden sie wegschmeißen. Aber egal, es ist eine evangelistische Möglichkeit, den Menschen das Wort Gottes in die Hand zu geben.

Wie sind die Broschüren aufgebaut? Du greifst ja auch noch andere Themen auf wie Gesundheit und Heilung oder Depression und Angst.

In unserer Region hatten wir über 180 Jahre lang „Geheimprotestantismus“, wo der evangelische Glaube verboten war und sich die Evangelischen ihren Glauben durch Luthers Predigtbücher sowie Andachts- und Gebetbücher bewahrten. Im Grunde sind meine Broschüren nach diesem Vorbild aufgebaut: Wort Gottes, dazu ein kurzer geistlicher Impuls, ein Beispiel aus dem Leben, ein Gebet.

Du blickst ganzheitlich auf das Thema Gesundheit – körperlich, seelisch, geistlich. Gott heilt, gleichzeitig benennst du auch die eigene Verantwortung für unsere Gesundheit.  

Auch die Broschüre „Biblische Wege zur Gesundheit und Heilung“ hat eine spannende Entstehungsgeschichte. Wir haben in unserem Umfeld sehr viele Esoteriker und Energetiker, die offensiv werben. Im Nachbarort kann man sich sogar zum Schamanen ausbilden lassen. Eigentlich wollte ich in Abgrenzung dazu zwei Vorträge über die biblischen Wege zu Gesundheit und Heilung halten. Am ersten Abend kamen statt der erwarteten 30 schon etwa 70 Leute, beim zweiten 90. Da hat uns Gott eine Tür aufgetan und wir haben angefangen, monatliche „Impulsabende Gesundheit“ anzubieten, mit bis zu 100 Teilnehmenden.

Wie liefen die Abende ab?

Nach einem geistlich-biblischen Impuls konnten die Teilnehmenden von ihren persönlichen Erfahrungen sprechen. Das war sehr dialogisch. Nach einem allgemeinen Heilungsgebet haben wir den Abend nach einer Stunde abgeschlossen und im Anschluss mit vier Segnungsteams für die gebetet, die das wünschten. Gleich am ersten Abend – Thema war die Heilung der blutflüssigen Frau aus Markus 5 – wurde eine Frau geheilt, die unter solchen Blutungen litt. Sie hatte sich in Salzburg sogar schon einer Unterleibsoperation unterzogen, doch nichts hatte geholfen. Wir segneten sie und Gottes heilende Kraft berührte sie. Zwei Tage später rief sie mich an und sagte, dass ihre Blutungen aufgehört hatten. Das ist jetzt viele Jahre her und noch immer ist sie gesund. Das hat uns so ermutigt! Wir haben fast an jedem dieser Abende eine Verbesserung oder Heilung erleben dürfen. Eine Ärztin, die jahrelang unter schlimmen Nackenschmerzen litt und alles probiert hatte, Physio-, Schmerz- wie Spritzentherapie, wurde nach dem Gebet frei von ihren Schmerzen. Alle diese Leute haben wir eingeladen, am nächsten Impulsabend davon zu berichten.

Und gebetet haben ganz normale Gemeindeleute, keine „Superchristen“ oder besonderen „Glaubenshelden“, richtig?

Ja, so ist es. Wir hatten vier Gebetsteams und ich kann wirklich sagen, Gott hat durch alle Gebetsteams hindurch Leuten Besserung und Heilung gegeben. Zu beten ist für mich ein Akt des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes. Ich empfinde da überhaupt keinen persönlichen Druck: Ich brauche nur für die Leute beten, sie segnen und alles andere ist nicht in meiner Hand, ich bin ja kein Heiler. Und auch die, die kein persönliches Gebet wünschten, haben wir nicht weggeschickt, ohne ihnen ein seelsorgerliches Angebot zu machen. Wer wollte, konnte sich beim Ausgang in eine Telefonliste eintragen, zum Beispiel bei seelischen Nöten. Wenn jemand depressiv ist, ist es ja nicht mit einem Gebet getan, diese Menschen brauchen Begleitung.

Wie habt ihr das personell gestemmt?

Zu den Abenden kamen auch viele von auswärts oder aus Nachbarorten. Für meine Gemeindemitglieder habe ich persönlich Seelsorge angeboten, für Auswärtige war mein Team verantwortlich. Wir hatten 5, 6 ehrenamtliche Seelsorger, die wir vonseiten der GGE dazu geschult haben. Heilung war in unserer Pfarrgemeindearbeit aber nur ein Aspekt. Jesus sagt im Lukasevangelium von sich: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn“ (Kap. 4, V. 18-19). Entsprechend haben wir das Evangelium verkündigt, die Traurigen getröstet (mit der Trauerbegleitung) – die Gebundenen freizusetzen haben wir als Seelsorge verstanden und das Gnadenjahr als Diakonie. Wir haben zum Beispiel Lebensmittel an Bedürftige weitergegeben, die uns Supermärkte gespendet haben, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war. Manches braucht Seelsorge, anderes die tätige Hilfe.

Wenn ich an die Esoterik in eurem Ort denke: Empfindet ihr auch geistliche Widerstände?

Wir spüren keinen wirklichen Gegenwind. Gröbming ist ein kleiner Ort, ich kenne ganz viele Menschen hier. Ich habe mir im Nachbarort auch einmal eine Gruppe für „Geistheilung“ angeschaut, ich habe da keine Berührungsängste. Mit der Leiterin bin ich in sehr gute Gespräche gekommen, sie hat sich dann zu Jesus Christus bekehrt, die Leitung dieses Kreises aufgegeben und lebt heute ganz stark im christlichen Glauben. Wir geben einfach Zeugnis von unserem Glauben. Wir haben über Jahrzehnte hinweg aber jede Woche im Gemeindegebet den Vers aus der Apostelgeschichte gebetet: „Herr, strecke deine Hand aus zur Heilung und lass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus“ (Kap. 4, V. 30).

Ihr habt jetzt mehr als 141.000 Broschüren ausgegeben. Zum Vergleich: In ganz Österreich gibt es nur rund 250.000 evangelische Christen …

Es bleibt ja nicht bei den Evangelischen. Zu den Impulsabenden können alle kommen. Dann hat der katholische Diözesanbischof der Steiermark, der 1,2 Millionen Katholiken vertritt, eine Empfehlung und ein Vorwort für die Broschüren „Lebenshilfe aus den Psalmen“ und „Weisheiten und Hoffnungsworte aus der Bibel“ geschrieben. Die „Weisheiten und Hoffnungsworte“ verschenken wir auch auf der Straße und bieten sie zum Beispiel am Supermarkt-Ausgang als ein Geschenk der Hoffnung an. Die „Lebenshilfe aus den Psalmen“ verteilen wir im Rahmen der Krankenhausseelsorge. 

Wie kam es zur ökumenischen Zusammenarbeit?

In unserem Bundesland Steiermark haben wir eine sehr, sehr gute Ökumene. Schon die Ausbildung der Krankenhausseelsorger in Graz erfolgt beispielsweise ökumenisch. Mit dem katholischen Leiter unserer Krankenhausseelsorge bin ich befreundet und er hat den Kontakt zum Bischof hergestellt, der die Arbeit mit den Broschüren sehr fördert.

Wenn ihr nun im Supermarkt Broschüren ausgebt, wissen die Leute, ihr kommt von der evangelischen Kirche. Bringt man euch dadurch ein gewisses Vorschussvertrauen entgegen?

Ganz sicher. Wir sind in unserem Umkreis aber auch bekannt und auch im Nachbarort kennen mich die Leute noch persönlich. Außerdem muss ja keiner die Broschüre nehmen, wenn er nicht will. Aber auch freikirchliche Gemeinden verwenden die Broschüren gern. Ich selbst habe viele Kontakte und bin mit 21 Jahren auch in einer baptistischen Gemeinde zum Glauben gekommen. Für mich sind doch alle Schwestern und Brüder, die einen lebendigen Glauben an Jesus haben, egal ob katholisch, evangelisch oder freikirchlich.

Jeder, der deine Broschüren weitergeben möchte, kann sie bei dir bestellen (kostenfrei, auf freiwilliger Spendenbasis).

Ja, mir ist wichtig, dass die Leute sich an mich persönlich wenden, weil dann auch ein Gespräch möglich wird (Kontaktinfo s. Info-Kasten). Es ist für uns ein Dienst für das Reich Gottes, damit Menschen ermutigt werden und im Glauben wachsen.

Erzählst du zum Schluss noch etwas mehr davon, was du erlebst?

Besonders berührt hat mich, als ich eine E-Mail bekam von einem Mann aus Salzburg. Er hatte im Aufnahmebereich eines Krankenhauses die Broschüre zu Gesundheit und Heilung entdeckt. Keine Ahnung, wer die da hingelegt hatte … Er schrieb mir, dass er sie mit nach Hause genommen, darin gelesen und sein Leben Jesus Christus anvertraut hat. Da kann ich nur sagen, „Danke, Danke, Herr“. Genau dafür mache ich das. Ich habe ihn dann auch persönlich kennenlernen dürfen. Oder mir schrieb eine 32-jährige Frau aus dem Raum Stuttgart, deren Mutter schwer an Krebs erkrankt war und die ihre beste Freundin kurz vorher durch Krebs verloren hatte. Sie selbst hatte zwei 6- und 8-jährige Kinder und litt an einem Gehirntumor. Völlig verzweifelt hatte sie auf der Fahrt in den Familienurlaub zu ihrem Mann gesagt, „wenn es einen Gott gibt, dann muss er mir im Urlaub ein Zeichen geben“. Als sie im Familienhotel in Kärnten ankamen – wo meine Cousine im Leseraum alle meine Broschüren auslegt – las sie darin und fuhr getröstet nach Hause … So habe ich einen ganzen DIN A4-Ordner voll von Rückmeldungen, die mich erfüllen und mir zeigen, dass diese Arbeit eine tröstliche, ermutigende, hoffnungsspendende ist.

Die Gröbminger Broschüren 

Die von Pfr. Dr. Manfred Mitteregger verfassten Broschüren widmen sich folgenden Themen:
• Weisheiten und Hoffnungsworte aus der Bibel (Ermutigung)
• Lebenshilfe aus den Psalmen: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir!“ (Hoffnung)
• Fürchte dich nicht, Ich bin mit dir! (Ermutigung)
• Biblische Wege zu Gesundheit und Heilung
• Trost in Trauer: Hoffnungsworte und Ermutigungstexte für Trauernde
• Fit durchs Leben durch gesunde Ernährung, Fasten und Beten (Praxisbuch für Gesundheit, geistl. Wachstum, Erneuerung/Erweckung im Glauben)

Alle Broschüren können hier aufgerufen werden (bitte Copyright beachten, Vervielfältigung nur mit Einverständnis).
Kostenfreie Bestellungen (freiwillige Spende), auch in größeren Stückzahlen, bei: Pfr. Dr. Manfred Mitteregger, Tel. 0043-664-126 8283, E-Mail: manfred.mitteregger1@gmail.com
Per Post: Am Steinacker 485, 8962 Gröbming/Österreich

Manfred Mitteregger

Dr. Manfred Mitteregger war 32 Jahre ev. Pfarrer in Gröbming (Österreich). Nach kurzer Zeit im Ruhestand teilt er sich heute mit seiner Frau Waltraud die Pfarrstelle im Nachbarort. Sie engagieren sich in der GGE Österreich.

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