Keinen Gottesdienst, kein Gespräch, kein Gremium ohne den Geist

Wann ist Kirche lebendig? Wenn Menschen im Gemeindealltag Raum schaffen für den Heiligen Geist. Wie Begeisterung praktisch wird, schreibt Brigitte Fietz im 2. Teil unserer Serie zu den 5 Grundwerten der GGE.

Meeting

Viele von uns sehnen sich heute nach einer lebendigen Kirche. Immer wieder haben Menschen sich deshalb investiert, um Gemeinde zu bauen. Sie haben eine Vision entwickelt von einer Gemeinde, die dem Bild Jesu entspricht. Sie haben versucht Schritte aufzuzeigen, um eine solche Gemeinde zu bauen. Was aber gehört zu einer solchen Kirche, wie Jesus sie sich heute wünschen würde, einer Kirche, die seinen Auftrag erfüllt und die in seinem Geist lebt?

Begeisterung!

Nur wer begeistert ist, kann andere begeistern und anstecken. Wovon werden wir innerlich bewegt? Wie können wir Leute werden, die bewegt sind und bewegen können? Begeisterung gibt es schließlich nicht auf Bestellung. Begeistert-Sein lässt sich nicht einfach produzieren. Etwas – oder jemand – muss uns erfüllen: Die Bibel bezeugt uns den Heiligen Geist als diesen inneren Antrieb.

Von den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte einmal abgesehen, wurde das Reden vom Heiligen Geist in Kirche und Theologie wie ein Stiefkind behandelt. Man rechnete wenig mit dem Geist Gottes. Dabei ist das Reden vom Heiligen Geist in der Heiligen Schrift zentral. Durch den Propheten Sacharja sagt Gott schon im Alten Testament: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen“ (Kap. 4, Vers 6).

In den letzten gemeinsamen Stunden mit seinen Freunden hat Jesus ausführlich über die Zeit nach seinem Tod gesprochen. Er hat vom Kommen des Geistes geredet. Er würde weiter mit ihnen sein, doch auf andere Art, in einer neuen Dimension.

Heute ist die Zeit des Heiligen Geistes

Seit Gottes Geist dann an Pfingsten auf die Gemeinde fiel, leben wir in der Zeit des Heiligen Geistes: Ein Wechsel im Betriebssystem ist passiert. Es geht nun nicht mehr nur um menschlich Machbares, um „Kohle“ als Energieträger. Es geht jetzt um Windkraft! Nicht unsere Programme und unsere Leistung sind der eigentliche Antrieb im Gemeindebau.

Durch den Geist lebt die Kirche! Der Heilige Geist hat die Kraft, Menschen und Verhältnisse tiefgreifend zu verändern. Nicht Strukturreformen werden die Kirche erneuern, sondern Gottes Geist: Ohne sein Wirken führt alles über kurz oder lang in die innere Leere. Ohne den Geist ist die Gemeinde kraftlos und verliert ihre Ausstrahlung. Wir müssen es lernen, ganz praktisch in der Dimension des Heiligen Geistes zu leben. Wir müssen also:

1. Christus vor Augen haben.

Wer oder was treibt uns im Gemeindealltag an? Wer leitet uns, bestimmte Dinge zu tun? Was ist unser Motiv? Fragen wir in erster Linie nach Gottes Auftrag?

Wir müssen uns ganz an Christus orientieren. Er ist unser Herr und Auftraggeber! Jesus spricht immer wieder davon, dass ihn der Vater gesandt hat. Er steht in inniger Beziehung zum Vater und lässt sich von ihm leiten. Wenn wir Nachfolger und Jünger dieses Herrn sein wollen, können wir es Jesus nur gleichtun. Wir sollten also:

2. von Christus inspiriert sein.

Von der Gemeinde nach Pfingsten heißt es, dass sie sich konkret vom Geist führen ließ. Sie folgte in allem einer geheimnisvollen Regie durch den Heiligen Geist. Das bedeutet für uns: Es darf kein Gremium, keinen Gottesdienst, kein Gespräch geben, ohne die Bitte um den Heiligen Geist.

Wir brauchen als Gemeinde Zeiten, wo wir hinhören, was Jesus der Gemeinde sagt! Wir müssen fragen, wie die Gemeinde an ihrem konkreten Ort mit den dort konkret beteiligten Menschen aus Gottes Sicht und nach seinem Plan Gestalt annehmen soll. Dazu müssen wir:

3. bereit sein zur Veränderung.

Das ist nicht leicht – denn es geht darum, dass Gott uns seine Wege zeigt. Wir müssen zulassen, dass er durch seinen Geist auch unseren Charakter formt und verändert.

Zwischen dem Verharren beim Alten und dem Aufbrechen zum neuen Leben liegt eine Spannung. Zum Alten gehören bekannte Traditionen („es war doch schon immer so!“). Zum Neuen gehört die Bereitschaft sich zu bewegen. Ist die Gemeinde dafür offen, zu neuen Ufern aufzubrechen, wo Gott das zeigt? Wir dürfen den Heiligen Geist nicht ausbremsen. Das blockiert. Wir müssen offen sein, Gottes Nähe suchen und:

4. aus den Quellen der Kraft leben.

Gottes Geist ist schöpferisch! Er ist ständig motiviert, Neues und Frisches zu schaffen. Damit er das tun kann, braucht er Raum. Entscheidend wichtig sind das Gebet und die Bitte um den Heiligen Geist.

Gottesdienste, Zeiten der Stille und des Gebets und des Lobpreises sind kein Luxus, kein frommes Anhängsel! Diese Dinge gehören zu einem Leben als Christ. Hier können wir Gott hören. Hier werden wir gestärkt und geführt durch seinen Geist. Hier erleben wir seine heilende und verändernde Nähe. Wir brauchen diese Orte der Begegnung mit Gott. Nur so kann er zu uns immer wieder durch seinen Geist erfüllen und inspirieren.

„Im Kern geht es um die Frage nach der Zukunft der Kirche: Woraus lebt sie? Was lässt sie lebendig sein. Wie wird sie neu? Gott möchte jeden von uns be-geist-ern:Er möchte uns persönlich erfüllen mit seinem Geist, uns konkret leiten und mit seinen guten Gedanken beschenken.“ (Swen Schönheit)

Brigitte Fietz

Brigitte Fietz ist 2. Vorsitzende der GGE Deutschland und Pfarrerin i.R. (Paul-Gerhardt-Kirche, München-Laim). Sie leitet die GGE Südbayern und engagiert sich in der Notfallseelsorge.

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