Wie werden wir krisenfest?

Krisen kommen ungewollt und meist überraschend. Jenseits der globalen Krise der Corona-Pandemie kann jedes Leben von unterschiedlichen Erschütterungen getroffen werden. Wie unser Lebenshaus stabil und wir krisenfest werden, findet Swen Schönheit bei Jesus.

auf Sand gebautes Haus

An das Wort „Krise“ kann man sich gewöhnen. Seit über einem Jahr hält uns die Viruspandemie nun schon in Atem. Millionen von Menschen hat sie den Atem genommen. Globale Krisen, Katastrophen oder Kriege betreffen nicht jeden persönlich. Andere Krisen gehen ans Eingemachte: Gesundheitliche, wirtschaftliche oder Beziehungskrisen können unsere Existenz erschüttern. Krisen sind Einschnitte, manchmal Wendepunkte auf unserem Lebensweg. Wie geht es nach der Krise weiter? Zerbrechen wir an ihr oder gehen wir gestärkt aus ihr hervor?

Gott ist groß genug, aus Krisen Gutes zu machen

Als Christ und Bibelleser mache ich mir neu klar, dass die Geschichte Israels voller Krisen war, geprägt von Brüchen und Neuanfängen. Gott geht mit seinem Volk, aber der Weg ist alles andere als geradlinig. Das hat viele Gründe, die allerdings mehr „auf Erden“ als „im Himmel“ liegen. Gottes guter Wille kommt selten eins zu eins auf die Erde. Das liegt primär an uns, am Widerstand des menschlichen Herzens, aber auch am beschädigten Zustand der Schöpfung.

Und doch zeigen die Geschichten der Bibel in erstaunlicher Weise, dass Gott groß genug ist, aus Krisen etwas Gutes zu machen: „Seht hin; ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste“ – so steht es im Buch des Propheten Jesaja (Kapitel 43, Vers 19).

Gott möchte das Leben!

Natürlich hat jede Krise zerstörerisches Potenzial. Tod und Leben liegen plötzlich so dicht beieinander. Dabei dürfen wir sicher sein: Gott möchte das Leben. Er hat in jede Krise neue Chancen für uns eingebaut, „denn er hat keine Freude daran, die Menschen ins Elend zu stürzen“ (Klagelieder, Kapitel 3, Vers 33). Allerdings bewirkt erst die Belastung in unserem Leben Tiefgang. Erst in der Erschütterung zeigt sich, worauf wir letztlich gebaut haben.

Worauf ist unser Lebenshaus gebaut?

Jesus hat dafür ein eindrückliches Bild gebraucht: Er vergleicht unser Leben mit einem Haus. Entscheidend daran ist nicht nur das Dach überm Kopf oder die schöne Fassade. Alles steht und fällt mit einem soliden Fundament: „Wer zu mir kommt, auf meine Worte hört und danach handelt, gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und dazu tief grub und den Grund auf den Felsen legte. Als nun eine Überschwemmung entstand, da brandete der Strom gegen dieses Haus, und er konnte es nicht erschüttern, weil es auf den Felsen gegründet war.“

Allerdings malt uns Jesus auch das gegenteilige Beispiel vor Augen: Ein Mensch, „der ein Haus ohne Fundament baute“, muss irgendwann dessen Einsturz miterleben (Evangelium nach Lukas, Kapitel 6, Verse 47-49). Wie steht es um die Tragfähigkeit unseres Lebenshauses?

Der Schlüssel: Gottes Nähe suchen – hinhören – handeln

Jesus spricht in diesem Gleichnis nicht von einer robusten Natur oder von Resilienz, die man sich antrainieren kann. Vielmehr entsteht ein solides Fundament auf diese Weise: „Wer zu mir kommt, auf meine Worte hört und danach handelt …“. Krisen kommen immer ungewollt und meistens überraschend. Sie erschüttern unser Leben, sie stellen bisherige Sicherheiten infrage. Aber sie geben uns auch die Chance, dass wir unser Lebensfundament tiefer legen. Jesus spricht vom Hören auf Gott, vom Gehorsam gegenüber seinem Wort. Können wir glauben, dass in dieser „vertikalen“ Verbindung unser tiefster Halt liegt?

Letztlich ist es Gottes Treue, die uns durchs Leben trägt. Dass er zu uns spricht, ist Nahrung für unsere Seele. Seine Gegenwart ist der Atem, den wir zum Leben brauchen. Hinter allen Krisenzeiten ist es sein Wunsch, dass wir verstärkt seine Nähe suchen: „Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten“ (Paulus im Brief an die Römer, Kapitel 8, Vers 28).

Swen Schönheit

Swen Schönheit ist evangelischer Pfarrer in Berlin-Reinickendorf und theologischer Referent der GGE Deutschland.

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