August 2024: Countdown für Versöhnungsweg in die Ukraine läuft!

Für Versöhnung, gegen Antisemitismus: Noch sind Plätze frei für den Versöhnungsweg vom 20. bis 28. August in die Slowakei, nach Ungarn und in die Ukraine. Hans-Joachim Scholz hat jetzt von der Vorbereitungsreise bewegende Eindrücke mitgebracht.   

Erst vor drei Tagen, am 18. Juni, ist Hans-Joachim Scholz aus der Ukraine zurückgekehrt. Die letzten Vorbereitungen für den neuen Versöhnungsweg in zwei Monaten sind damit abgeschlossen. Auf den Spuren 1941 deportierter Juden werden sich die Teilnehmer zwischen 20. und 28. August bewegen. Noch sind wenige Plätze frei!

Im August gehen wir den Versöhnungsweg von Šahy (Slowakei) über Budapest (Ungarn) nach Uschgorod, Kolomea, Sabolotiw bis Kamjanez-Podilskyj (Ukraine). Wir, das sind Leiter der Initiative „Toward Jerusalem Council II“ aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, der Ukraine, der Schweiz – und aus Deutschland meine Frau Rita und ich von „S’ Lamm – Versöhnungsdienste der GGE“. Mit allen Teilnehmenden werden wir denselben Weg gehen, auf dem die Juden 1941 zu ihrer Erschießung getrieben wurden.

Versöhnungswege gehen heißt Reich Gottes bauen

Seit wir für die Ukraine beten, hat uns der Heilige Geist mit Christen, messianischen Juden und Juden in Synagogen, mit Pastoren, Priestern, Bischöfen und Rabbis in Uschgorod, Mukatschewo, Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Kolomea, Sabolotiw und Kamjanez-Podilskyj in Verbindung gebracht. Geistliche Gemeinde-Erneuerung (die wir als GGE im Namen tragen) geschieht in der Gemeinde vor Ort, hat aber den größeren Horizont des Reiches Gottes im Blick. Darum tragen die Versöhnungswege zur Erneuerung der eigenen Gemeinde und zur Belebung von Gemeinden in anderen Ländern bei. Unser Motto ist: „Das Lamm Gottes nimmt hinweg die Sünden der Welt.“

Links: Von rechts: die griech.-kath. Priester Vladislav und Basil, Alexandra Holota (messian. Gemeinde), Pfingstpastor Ivan, Pastor Robert (reform. Kirche), Viera (Fokolare), Pavol Strezo (TJCII) und Hans Scholz (GGE) in Uschgorod.
Mitte: Überall präsent: Gedenken an gefallene ukrainische Soldaten.
Rechts: Pfingsten 2024: Hans Scholz spricht den Segen in der griech.-kath. Kathedrale von Uschgorod.

Auf den Ukrainern lastet schwere Bedrückung

Der reformierte Pastor Robert Schpontak fasste die Lage zusammen: Auf den Menschen in der Ukraine liegt eine schwere Depression. Ob wir in der griechisch-katholischen Kirche bei Vater Vladislav den Menschen ins Gesicht sehen oder in der Pfingstgemeinde bei den Pastoren Ivan und Tibor oder bei Pastor Korczi in der Versammlung der Roma: Sie kommen, weil sie Trost suchen, um Kraft bitten und Mut brauchen, ihren Alltag zu bewältigen.

Weil immer mehr Soldaten gebraucht werden, gehen viele Männer nicht mehr zur Arbeit, fahren nicht mehr Bus oder Taxi oder kaufen sich die Freistellung vom Wehrdienst. Frauen und Kinder und Alte prägen das Straßenbild. Baustellen stehen still. Auf dem Land fehlen die Fahrer für die Landmaschinen. Bei der Polizei und an der Grenze machen viele Junge in Uniform Dienst. Alle haben Angst, dass ihre Soldaten zerschossen oder traumatisiert von der Front kommen. Und viele kommen im Sarg zurück. Mischa war zwei Jahre lang Soldat und ist jetzt heimgekommen – äußerlich zwar unverletzt, aber innerlich? Er saß in der Gemeinde der Roma stumm neben mir und drückte mir fest die Hand, während ich für ihn betete.

Heilung geschieht: Menschen freuen sich, deutsch zu hören

Vater Vladislav hatte uns bei einer vorhergehenden Reise zum griechisch-katholischen Gottesdienst eingeladen: „Übernimmst du am Pfingstmontag eine Evangeliumslesung beim Rundgang um die Kathedrale? Hast du deinen Talar dabei? Nein? Dann bekommst du einen von mir!“ Jetzt, bei unserem Besuch am 18. Juni, erzählte er genau das mit großer Freude: wie die Leute sich gefreut hatten, das Evangelium auf Deutsch zu hören und die Grußworte, das Gebet und den Segen.

Gemeinde der Roma segnet uns

Bei Pastor Korczi in der Gemeinde der Roma hat uns vom ersten Moment an die Gegenwart Gottes überwältigt: wie Sascha, unterstützt von Jugendlichen und Ernest am E-Piano, den Lobpreis leitete und wir doch von ihrer Sprache Romanes praktisch nichts verstanden. Noch nie war einer von uns dort gewesen und hatte gesagt, „es tut uns leid, wie man damals mit den Roma umgegangen ist“. Und wie schwer ist ihr Leben auf der „untersten Etage“ der ukrainischen Gesellschaft als Müllsammler und Straßenfeger! Dann bat ich Korczi uns zu segnen und den Segen der Gemeinde nach Deutschland mitzugeben. Das tat er. Seine Worte kann ich nicht wiederholen, aber ich kann euch allen seinen Segen auf diesem Weg weitergeben! Dann haben wir alle miteinander für die Ukraine gebetet und für Israel.

Vorsicht weicht Freude

Das Ehepaar Holota leitet die kleine messianische Gemeinde in Uschgorod: Kinder Gottes tanzen dort, singen, beten laut und unkompliziert, alte und junge, in einer Wohnung in einem Häuserblock. Sie sind schüchtern, wenn Fremde kommen, und erfreut, wenn diese Jeschua lieben und ihnen zeigen: Ihr seid uns nahe durch Jesus! Und wir spüren: Da ist so viel Unsicherheit, ob man den Christen trauen kann, ob man sich auf sie einlassen soll. Alexandra (Sascha) und Alexander (Sascha) Holota haben sich entschieden, bei dem Versöhnungsweg im August verantwortlich dabei zu sein und einen Schabbatabend zu gestalten. Sie können Jeschua nicht haben ohne uns, und wir haben Jesus nicht ohne sie! Auf den Versöhnungswegen spüren wir, wie die gegenwärtigen Probleme mit dem alten Unheil zusammenhängen: Der dicke Teppich des Schweigens auf den vielen Leiderfahrungen im Zweiten Weltkrieg, mit der Wehrmacht und der SS und danach mit den Kommunisten ließ kaum die Hoffnung zu, dass man Frieden erleben kann.

Links: Im Gottesdienst in der Roma-Gemeinde in Uschgorod mit Pastor Korczi (3. v. re.) u. Übersetzer Miroslav (re.).
Mitte: Gottesdienst in der messianisch-jüdischen Gemeinde in Uschgorod.
Rechts: Mit Leon Dubravski, dem katholischen Bischof (Mitte) und Pavol Strezo (links) in Kamjanez-Podilskyj.

Ukraine 2024: Fortsetzung der GGE-Versöhnungswege

Seit 1994 sind wir als GGE immer wieder Versöhnungswege gegangen, haben unsere deutsche Schuld an vielen Orten des Schreckens bekannt und erlebt, wie Menschen 50 Jahre (und mehr) nach dem Krieg Frieden mit Gott bekamen. Was liegt näher, als diese Erfahrung in der Ukraine weiterzugeben? Wir sind willkommen! Die Pastoren und Priester merken: Gott gibt eine Chance, die von außen kommt. Geschwister aus der Slowakei, Polen, Tschechien, Ungarn, Deutschland und der Schweiz helfen, die Sünden der Menschen auf die Schultern des Lammes Gottes zu legen!

Ökumene pur: Partner vor Ort leiten einzelne Stationen

So sagte Leon Dubravski, der katholische Bischof von Kamjanez-Podilskyj: „Eure Initiative ist vom Heiligen Geist! Das geht nur zusammen mit den anderen Pastoren und Gemeinden. Ich bin bereit!“ Sie haben dort einen „Geistlichen Stadtrat“, der für die Belange der Stadt betet und aktiv wird. Der Pastor der Pfingstgemeinde, Wolodimir Chornopyski, wird mit ihm zusammen diese Station auf unserem Weg vorbereiten und leiten.

Pavol Strezo, Vizedirektor von TJCII Europa, und ich haben im Februar, im Mai und jetzt im Juni alle Partner besucht und erlebt, wie bereit sie alle sind, selbst Verantwortung für Versöhnung zu übernehmen. Sie laden nicht nur ihre Gemeinde-Leute ein, sondern auch Verantwortliche des öffentlichen Lebens.

Wir dürfen nicht vergessen

Wir haben die Massengräber in Iwano-Frankiwsk mit 150.000 Toten gesehen und mit der 95-jährigen Maria gesprochen, die als Kind den Erschießungen zusehen musste. In Kolomea stehen Autogaragen auf den einfach zugeschütteten Massengräbern. In Kamjanez-Podilskyj, wo am 27. und 28. August 1941 ein deutsches (!) Polizeibatallion 23.600 Juden ermordete, stehen mitten im Stadtpark die Denkmäler mit frischen Kränzen.

In Sabolotiw ergriff Bürgermeister Pjetro Maliborksi im letzten Jahr die Initiative und gestaltete mit unserer Unterstützung das Denkmal für die „Opfer des Faschismus“ in ein Denkmal für die ermordeten 1200 Juden um.

Links: Gespräch mit Zeitzeugin Maria in Iwano-Frankiwsk.
Mitte: Massengrab jüdischer Opfer in Kolomea.
Rechts: Vor dem Massengrab von 23.600 jüdischen Opfern in Kamjanez-Podilskyj.

Wir müssen bekennen: Juden sind das erwählte Gottesvolk

Es genügt nicht, sich gegen den Antisemitismus zu stellen. Wir wollen ihn überwinden. Das kann nur gelingen, indem Christen öffentlich Ja sagen zur Berufung und Erwählung Israels. Was seit den 1980er-Jahren in alle Grundordnungen der Evangelischen Landeskirchen eingeschrieben wurde, muss öffentlich und vor allem im Gebet vor Gott verkündigt werden. Den massiv auftretenden Judenhass werden wir nicht mit Pädagogik und Argumentationen in Schach halten. Hier ist der Status confessionis erreicht – die außergewöhnliche Notwendigkeit eines unmissverständlichen Bekenntnisses!

Bei diesem Versöhnungsweg in die Ukraine tasten wir uns an die Herausforderung heran, die hier in unserem Land, in unseren Gemeinden immer deutlicher sichtbar wird: Kirche und Israel gehören zusammen!

Der Versöhnungsweg, 20.-28. August 2024 – Infos zu Reise und Anmeldung

Unser Versöhnungsweg verläuft auf den Spuren der Juden, die 1941 aus Polen, der Slowakei und Ungarn über Uschgorod nach Kamjanez-Podilskyj in den Tod geschickt wurden. An jeder Station des Weges werden wir an die Geschichte dieser jüdischen Opfer erinnern und ihrer gedenken. Dann folgen das Bekenntnis der Sünde des Antisemitismus und die Bestätigung der Erwählung Israels als Gottesvolk.
Wir reisen per Bus von Šahy (Slowakei) bis Kamjanez-Podilskyj (Ukraine) und zurück. Für Unterkunft und Verpflegung wird gesorgt. Teilnehmerbeitrag: nur noch 500 Euro pro Person (für 9 Tage), dank einer Spende!
Anmeldung für Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Pfr. Hans-Joachim Scholz unter pfrhjscholz53@gmail.com. Teilnehmerbeitrag unter dem Stichwort UA 2408 TN + Name auf das Konto der GGE bei der Evang. Bank (IBAN: DE37 5206 0410 0906 4148 69). Spenden für die osteuropäischen Teilnehmer unter Stichwort UA 2408 Office SLamm sind herzlich willkommen (für Spendenbescheinigungen ab 50 Euro bitte Name und Adresse angeben).

Die GGE App

Diesen und viele weitere Artikel findest du auch in der GGE App. Lade sie dir jetzt auf dein Mobilgerät bei Google Play oder im Apple App Store

Hans-Joachim Scholz

Hans-Joachim Scholz ist Pfarrer in der badischen Landeskirche und seit Kurzem im Ruhestand. Er und seine Frau Rita leiten den GGE-Dienst „Kirche und Israel“, weil beides für sie unbedingt zusammengehört.

Alle Beiträge ansehen von Hans-Joachim Scholz →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner